Freitag, 20. Juni 2014

Nieder mit der Torlinientechnik

Wie viele andere auch bin ich natürlich aktuell im WM-Fieber. Und wie bei jeder WM wurden auch dieses Mal wieder einige Neuheiten eingeführt. So beispielsweise die Schlagsahne, die die Schiedsrichter nun immer in der Hose mitführen, um sie bei Gelegenheit unartigen Spielern auf über die hässlichen neonfarbenen Schuhe zu sprühen.

Was mich aber wirklich nervt, ist die Torlinientechnik. Nicht die Technik an sich, sie funktioniert gut. Und genau das ist das Problem. Ich hasse, wofür sie steht. Für eine Welt, in der es im Fußball um so viel Geld geht, dass man sich Fehlentscheidungen im wahrsten Wortsinne nicht mehr leisten kann. Und dafür nimmt man mal eben den Fans die Freude, die es macht, selbst nach Jahrzehnten noch darüber zu diskutieren, ob ein Ball drin war oder nicht. Das war doch immer ein Heidenspaß.

Was haben wir nun stattdessen bekommen? Gewissheit. Aber Fußball lebt doch von der Dynamik, die durch unklare Situationen erst geschaffen wird. Wenn man sich an einer klinisch reinen Darstellung erfreuen will, gibt es mit Sicherheit passendere Orte als einen Fußballplatz. Es darf nicht sein, dass man den Fußball Finanzinvestoren zuliebe möglichst akkurat vermisst und zuschneidet. Wer sein Geld in eine so volatile Anlage stecken will, soll gefälligst auch mit dem Risiko leben, das durch Fehlentscheidungen droht.

Fakt ist: Die immer weitergehende Reglementierung zerstört die Seele des Fußballs.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Smartphones verblöden

Smartphones verblöden. Dieser Satz scheint heutzutage allgegenwärtig zu sein. Jeder Hobbysoziologe hat bereits mindestens einmal festgestellt, dass die "junge Generation" die Smartphonesucht über jegliche interpersonelle Aktivität stellt. Das Problem dabei: hier werden sämtliche Argumente in einen Topf geschmissen. Ich würde gerne einmal aufräumen.

Als Argument wird gerne aufgeführt, dass in der Öffentlichkeit jeder auf sein Handy starrt und lieber Spiele spielt als sich mit seinen Mitmenschen zu unterhalten. Hier kommen gleich zwei Fehler in der Argumentation zusammen: Zum einen die Unterstellung es würden ständig Spiele gespielt und zum anderen das Argument, dass im Gegensatz zu früher die Leute nicht mehr miteinander sprechen.

Erstens: Man ist häufig mit dem Handy beschäftigt, weil man buchstäblich alles damit machen kann. Zeitung lesen, mit Freunden die Abendplanung organisieren, sich nach dem Befinden der Liebsten erkundigen, Dinge einkaufen, Fakten nachschlagen oder eben Spiele spielen. Dass Fluffy Bird auf Dauer den IQ nicht steigert, ist eine Hypothese die man vielleicht sogar belegen könnte. Mehr lässt sich daraus aber nicht ablesen. Genauso wenig gilt das aber fürs aus-dem-Fenster-Schauen oder beim sich-von-dem-Betrunken-über-die-dämlichen-Ausländer-Erzählen-lassen.

Zweitens: Früher war allenfalls das Medium anders. Die Menschen haben in der S-Bahn Zeitung gelesen oder Bücher und sich genauso wenig für die seltsame Frau mit zerzausten Haaren gegenüber interessiert. Und das ist auch voll in Ordnung - eine S-Bahn ist schließlich kein Swingerclub. Wie in einem Fahrstuhl finden sich Menschen zusammen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in die gleiche Richtung müssen und dies aus logistischen Gründen im selben Blechquader tun. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber wo liegt dann das Problem und wo kommt diese aggressive Grundstimmung gegenüber unserer neuen, vernetzten Generation her? Ich denke daher, dass Vielen inzwischen, aus welchen Gründen auch immer, grundlegende Höflichkeitsregeln abhanden gekommen sind; und das wird bei der Nutzung elektronischer Geräte oft besonders deutlich. Beispiel: Wir befinden uns im Jahr 1998. Vier Freunde gehen zusammen zum Essen und sitzen am Tisch. Während Person A sich gerade mit Person B unterhalten will, schiebt diese ein: "Ich muss noch schnell nachsehen, wer in meinem Buch der Mörder ist", zieht besagtes Buch aus der Tasche und vertieft sich in die Lektüre. Unhöflich, oder? Deshalb sollte man in einem solchen Fall genauso wenig das Handy zur Hand nehmen.

Natürlich kann es passieren, dass man wirklich gerade eine wichtige Nachricht beantworten oder ein Treffen verschieben muss. Niemand würde einem dies verbieten wollen - aber ein kurzes "Entschuldigung, ich muss kurz etwas klären" hat noch keinen umgebracht.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Ideologischer Mais

Bis vor wenigen Tagen war ich noch entschlossener Genfood-Gegner. Jetzt, nach reiflicher Überprüfung der Fakten, bin ich entschlossener Genfoood-Unentschlossener. Wie kams dazu?

Ich habe in einem Kommentar bezüglich der Entscheidung der Europäischen Kommission den Vorwurf gelesen, jegliche Entscheidung, die sich nicht an Fakten, sondern an den Ängsten der Bevölkerung orientiert, sei reine Ideologie. Soso. Was ist damit gemeint? Dazu gleich mehr. Zunächst ein kurzer Exkurs über Vor- und Nachteile des aktuell in der Zulassung befindlichen Genmais.

Positiv sind zu bewerten, dass durch den Einsatz deutlich weniger Pestizide verwendet werden müssen, da der Mais diese selbst produziert und dadurch viel zielgerichteter einsetzt. Ein Biobauer, der bereits Genmais anbaut(e), meinte, das Genmaisfeld sei von (guten) Insekten geradezu überlaufen im Gegensatz zum pestizidbelasteten konventionellen Feld. Durch die Immunität gegen Schädlinge könnte der Ertrag stark erhöht werden. Und letztendlich passiert in der Gentechnik nichts anderes als durch Mutationen in der Natur an sich und auch in der konventionellen Zucht.

Andererseits gibt es zum einen noch viele unverstandene Effekte im Genom. Es gibt nicht das eine "Resistenzgen", das da ist oder nicht. Es gibt aktive Gene, inaktive Gene und viele Kreuzeffekte, an denen mehrere Gene beteiligt sind. Man kann also kaum ausschließen, dass man mehr hineinzüchtet, als man eigentlich haben wollte. Des Weiteren ist der Genmais, einmal in der Welt, kaum wieder herauszubekommen, Stichwort Pollenflug.

Die Entscheidungstheorie lehrt nun vereinfacht gesagt, dass man allen möglichen Zuständen numerische Werte zuweist, die Nutzen und Gefahren messbar machen. Dann rechnet man die Wahrscheinlichkeit für das eintreten unter den verschiedenen Szenarien mit ein und kommt zu einer rationalen Entscheidung.

Aber wer sagt, dass man dem Mais nicht ausversehen eine Genkombination verpasst hat, die ihm bei Mondlicht Beine wachsen lässt und zum blutsaugenden Monstermais macht? Freilich ist das unwahrscheinlich. Aber falls das eintritt, wäre das schon eher unerfreulich. Klar ist das ein stark überzogenes Beispiel, aber es macht das Problem sehr deutlich: wie gewichtet man Risiken, die zwar höchstwahrscheinlich nicht eintreten, aber wenn sie es doch tun, verheerenden Schaden anrichten?

Daher kommen die Ängste in der Bevölkerung. Gepaart mit dem tiefen Misstrauen in die Politik von Brüssel, den Lobbyismus, die Pharma- und Lebensmittelbranche und die diffuse Angst vor Veränderung. Das sind teilweise durchaus sehr rationale Bedenken, auch wenn sie vordergründig konkret mit dem betreffenden Mais 1507 wenig zu tun haben. Ist es nun ideologische Politik, dem Wählerwillen zu entsprechen und den Anbau zu verbieten?

Hier wird das Versagen der Politik deutlich. Auf der einen Seite die Fehlkonstruktion der EU: ein demokratisch legitimiertes Parlament, das in diesem Fall den Wählerwillen durchsetzten will. Und auf der anderen Seite die sogenannte "Elite", die Regierungschefs, die mit "umgekehrter qualifizierter Mehrheit" [sic], die de facto eine Minderheit von 17:4 ist, den Anbau beschließen. Lobbyistenverbände der beteiligten Unternehmen natürlich sind hocherfreut.

Was wäre bessere Politik?

Wenn die Entscheidung pro Genmais wirklich so rational ist (was durchaus sein mag, ich maße mir inzwischen kein Urteil mehr zu), dann hat sich ein Politiker der Presse zu stellen und der Bevölkerung Vor- und Nachteile zu erklären, um Vorurteile und Ängste abzubauen anstatt über die Köpfe hinweg zu entscheiden.

Und wenn die Bevölkerung nicht auf rationale Argumente reagiert?

Diese Möglichkeit besteht, ist gar nicht so unwahrscheinlich und bei ihrem Eintreten höchst bedauerlich. ABER: Die Politiker sind Volksvertreter und nicht Volkserziehungsberechtigte. Wenn die Angst (die durch entsprechende Gewichtung der Entscheidungsfunktion durchaus rationalisiert werden kann) zu groß ist, hat sich der Politiker nach dem Souverän, dem Volk, zu richten. Jede politische Gemeinschaft sollte über ihre Sache selbst entscheiden können. Nicht irgendwelche Eliten oder Lobby- und Industrieverbände.

Montag, 3. Februar 2014

Die Leiden des alten saebbae

Wer meinen Post letzte Woche gelesen hat, hat, falls er es nicht vorher schon wusste, gelernt, dass ich ein toleranter Mensch bin. Jeder soll machen, was er für richtig hält, solange er keinem anderen damit schadet. Wir haben aber auch gelernt, dass man Dinge trotzdem dämlich finden kann. Deshalb muss ich jetzt schon einmal fragen:

Ernsthaft, Leute?

Der halbe Facebook-Newsfeed besteht aus saufenden Menschen. Das ist an sich für einen Außenstehenden soweit zwar vielleicht zunächst überraschend (oder auch nicht), aber nicht besorgniserregend. Problematisch wird es dann, wenn schneeballsystemmäßig Bekannte zum Mitmachen animiert werden. Das letzte große Schneeballsystem hieß Prokon und hat einen in der S-Bahn um seine Ersparnisse angeschnorrt, aber das nur am Rande. In diesem Fall geht es nicht um Geld, sondern um eine soziale "Währung" - Anerkennung. Genauso wie hartes Geld greift aber hier auch die Inflation - je mehr Leute mitmachen, desto geringer ist der Beitrag, den der Einzelne leistet und dementsprechend geringer der Vorteil, den er daraus ziehen kann. 

Wie gesagt: man darf Dinge doof finden. Ich tue das in diesem Fall. Zum einen ist es zu schade um das Bier, das in unseren Breiten wirklich gute Qualität hat und genossen werden sollte. Zum anderen ist es immer problematisch, andere Menschen zum Alkoholkonsum anzustiften.

Das eigentliche Problem liegt aber ganz woanders: ich habe an mir selbst festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, aus diesem sozialen Muster auszubrechen. Anstatt direkt meinen Mann zu stehen, habe ich das ganze zuerst mit Komilitonen diskutiert, um zu vermeiden, einen zwischenmenschlichen Fauxpas durch eine Verweigerung zu landen. Im Nachhinein sage ich ganz ehrlich - ich schäme mich dafür, das für nötig erachtet zu haben.

Viele Probleme in der heutigen Zeit ließen sich lösen, wenn Menschen sich trauen würden, ihr eigenes Hirn zu nutzen, zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen und diese auch auszusprechen statt permanent nachzuplappern, was ihnen gesagt wird (was viele sagen, wird schon stimmen). In der Gesellschaft haben wir erst dann völlige (Rede-)Freiheit erlangt, wenn jeder sagen kann, was er denkt, ohne Angst zu haben, dafür verurteilt zu werden. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele gute Ideen in der Geschichte untergegangen sein mögen, weil jemand anderes lauter gebrüllt hat.

Mir würde es also sehr am Herzen legen, wenn die Öffentlichkeit sich zwei Regeln zu Herzen nehmen würde:
  • Sagt was ihr denkt und was eure persönliche Meinung ist
  • Wenn jemand anderer Meinung ist, dann diskutiert sachlich statt einer Vorverurteilung. Zumeist kann jeder etwas vom anderen lernen und sein Weltbild dadurch erweitern

Sonntag, 26. Januar 2014

Von Toleranz und Ponyhöfen

Ich habe festgestellt, dass viele Probleme und Missverständnisse in der heutigen Zeit ausgelöst oder verstärkt werden durch die ständige missbräuchliche Verwendung des Wortes "Toleranz". Offensichtlich meinen viele Leute, Toleranz käme von "toll". Wenn man etwas "tolerieren" soll, wird damit dann oft in Verbindung gebracht, dass man etwas toll finden soll.

Überraschung: "Toleranz" kommt vom lateinischen Begriff "tolerare", der so viel bedeutet wie "ertragen, aushalten, erdulden". Also explizit das aushalten von etwas, was ich NICHT toll finde. Beispielsweise toleriere ich es, wenn mein Nachbar morgens um 7 seinen Rasen mäht. 

Wenn also von jemandem verlangt wird, etwas zu tolerieren, dann ist das einfach dahingehend zu verstehen, dass man davon einfach Abstand nimmt und an etwas anderes denkt. Diametral dazu wird heutzutage aber häufig von einem verlangt, dass man sich daran erfreuen und hingebungsvoll mitmachen soll. Das freilich ist viel schwieriger umzusetzen und häufig nicht weniger als eine Zumutung. Und in solchen Situationen entsteht Intoleranz. Weil von Menschen mehr verlangt wird, als sie leisten können.

Der Punkt ist: das Leben ist kein Ponyhof. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich alles, was mich nervt, rosa anmalen und drum herum hüpfen muss. Ich geh einfach dran vorbei und toleriere es. Beispiel aus dem täglichen Leben: Gleichgeschlechtliche Ehen. Ist mir ehrlich gesagt völlig egal wie da jeder einzelne dazu steht. Soll doch jeder tun, was er für richtig hält. Ich will keinen Mann heiraten, aber das gibt mir noch lange nicht das Recht, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Umgekehrt kann von mir aber auch niemand verlangen, dass ich am Christopher Street Day hüpfend und mit pinkem Slip gekeidet in der ersten Reihe stehe und kreische.

Diese von Gutmenschen häufig begangene Nötigung, alles in den Himmel zu loben, führt genau zum Gegenteil: die Menschen trauen sich nicht mehr, ihre wahre Meinung zu sagen aus Angst, sofort als homophob oder rassistisch abgestempelt zu werden und radikalisieren sich im Stillen. Und dann, wenn der große Knall kommt, sind sie plötzlich alle da. Bissl granteln hat noch keinem geschadet.

Montag, 27. Mai 2013

Passierschein A38

Der folgende Post beruht auf wahren Begebenheiten. Sämtliche Ähnlichkeiten mit echten Personen sind natürlich rein zufällig und in keinster Weise beabsichtigt. Nachdem das geklärt wäre, beginne ich nun mit der Erzählung. Zugunsten der Dramatik der Erzählung wollen wir annehmen, dass ich die Hauptperson sei.

Ich schlüpfe nun also in die Rolle eines Mathematikstudenten an der LMU, der im Juli seinen Bachelor abschließen will und sich bereits für Stellen bewirbt, die er nach dem Studium antreten könnte. Das Szenario der Erzählung sieht nun vor, dass eine Bewerbung abgeschickt ist, und eine Antwort im Sinne von "Ihre Bewerbungsunterlagen sehen interessant aus, aber wir benötigen noch einen aktuellen Notenauszug. Bitte übersenden Sie uns diesen bis kommenden Mittwoch" gegeben wurde.

Erster Akt.

Ich bin guter Dinge. Auch wenn ich bis Mittwoch einen Notenauszug brauche, und die Mühlen der LMU bekanntermaßen langsam mahlen, weiß ich ja, dass das Prüfungsamt für Mathematik zweimal in der Woche für je zwei Stunden geöffnet ist, und ein Termin ist glücklicherweise montags. Hochmotiviert stehe ich also zwei Stunden früher als nötig auf, um mir dort vor der ersten Vorlesung meinen Schein zu besorgen. Doch kaum bin ich angekommen, folgt die erste Ernüchterung. An der Tür hängt nicht nur ein großer Zettel, der von nichts Gutem künden kann, sogar zwei. Bei näherer Betrachtung offenbart sich mir das ganze Ausmaß des Dramas: Der eine Aushang informiert mich, dass die Sprechstunde bei der einen der beiden Damen heute wegen Krankheit ausfällt. Der zweite dagegen ist unpräziser, aber die Konsequenz noch härter: die Sprechstunde der zweiten Prüfungsamtdame entfällt sogar "bis auf weiteres".

In meiner Verzweiflung entscheide ich mich, das Statistikprüfungsamt aufzusuchen, da dies ja mein Nebenfach ist. Ich habe die naive Hoffnung, dass mir dort geholfen werden kann. Nach dem knapp 2 Kilometer langen Fußmarsch angekommen, lese ich glücklicherweise am Aushang neben der Tür, dass zufällig gerade Sprechstunde ist. Leider hängt direkt darunter ein weiterer Aushang mit den Worten: "Besprechung - Bitte nicht stören!". Somit beginnt die Belagerungsphase. Eine halbe Stunde später, ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, öffnet sich die Tür und ich kann eintreten.

Als ich die beiden Prüfungamt-Insassinen über meine Notlage aufgeklärt habe, wird schnell klar, dass sie mir zwar sehr gerne helfen würden, ihnen aber aufgrund technischer Beschränkungen die Hände gebunden sind - sie haben keinen Zugriff auf meine Noten. Daraufhin rufen sie ihren Vorgesetzten an, doch auch er hat keine Möglichkeit zu helfen. Doch dann - ein Hoffnungsschimmer. "Sie könnten es noch bei der Kontaktstelle Mathematik probieren". Doch sofort zerstreut ihre Kollegin die Hoffnung wieder: "Das ist doch die Halbtagsstelle, die aktuell unbesetzt ist - da kommt erst im Juni wieder jemand nach". Doch Nummer 1 lässt sich nicht unterkriegen: (dramatische Musik) "Aber es gibt doch jemanden als Ersatz, das macht doch im Moment der Herr Wachtel".

Es keimt wieder Hoffnung. Bei dem genannten Herrn, der nun die kommissarische Ausführung dieser - ich nenne es mal so - Sekretärinnenstelle inne hat, handelt es sich um meinen Wahrscheinlichkeitstheorie-Dozenten und Betreuer meiner Bachelorarbeit. Mir war klar, dass er Himmel und Hölle in Bewegung setzten würde, wenn ich ihm von meinem Problem berichte. Er wurde nun telefonisch kontaktiert und ich wurde zu ihm geschickt.

Nun also Fußmarsch zurück durch das sommerliche München. Sommerlich in dem Sinne, dass der Regen wärmer wird. Wie ich später erfahre, setzt sich der Herr Doktor in diesem Moment bereits in Bewegung, um die Deserteure vom zentralen Prüfungsamt zu stellen. Leider letztlich genauso erfolglos ich bereits zuvor. Als ich nun bei ihm ankomme, erklärt er mir, dass er selbst leider auch keinen Zugriff auf das System hat, allerdings kennt er die Dame, die es programmiert hat. Insofern sollte sie in der Lage sein, darauf zuzugreifen. Leider ist sie telefonisch nicht zu erreichen. Ich soll mich morgen wieder melden.

Ende des ersten Aktes.

Mittwoch, 9. Januar 2013

Intervention

Liebe Radiosender, dies ist eine Intervention.

Nachdem ihr nicht mitzubekommen scheint, dass bei dem, was zur Zeit über den Äther geht (ja, ich weiß, dass das physikalisch nicht korrekt ist), Einiges im Argen liegt, würde ich gerne eine Anklageschrift präsentieren. Die einzelnen Punkte der Anklage sind im Folgenden in steigender Schwere der Schuld aufgezählt:

Erster Anklagepunkt: Die Musikauswahl

Ja, ich verstehe, dass der potentielle Hörer möglichst gleich beim Einschalten des Radios eingängige und möglichst bekannte Hits hören soll. ABER: Das ständige Wiederholen der immer wieder gleichen Lieder treibt die Leute doch erst dazu, den Radiosender zu wechseln. Mischt eure Musikauswahl, bringt anspruchsvollere Lieder, traut euch etwas zu spielen, was am Mainstream vorbeigeht. Dann bleiben die Hörer treu und werden nicht durch das Dauergedudel der anderen Sender abgeworben. Psychologisch fatal finde ich persönlich übrigens noch die Tatsache, dass Lieder, nachdem sie längst totgespielt wurden und dann irgendwann völlig gerechtfertigt von der Bildfläche verschwunden sind, nach dreimonatiger Auszeit plötzlich wieder aus der Versenkung auftauchen und noch penetranter gespielt werden als vor ihrer temporären Abwesenheit. Einziges positives Gegenbeispiel, das mir einfällt: Matuschke.

Zweiter Anklagepunkt: Die Werbung

Möbelhäuser und Discounter: ICH KANN NICHT MEHR! Wenn ich noch ein einziges Mal einen roten Stuhl singen höre oder die beiden Wörter "Supersamstag" und "Lidl" noch ein einziges Mal in einem Satz höre, fliegt das Radio aus dem Fenster! Ja, ihr müsst mit Werbung Geld verdienen. ABER ERLAUBT ES DEN WERBEAGENTUREN NICHT, EUCH EURE HÖRER ZU VERGRAULEN! Man verdient an Werbung nichts mehr, wenn die Quoten wegen ebendieser sinken! Hier wäre etwas mehr Weitblick gefragt. 
Und den Werbetreibenden sei geraten: "Don't be evil!" Bekanntheit darf nicht verwechselt werden mit Beliebtheit. Zumindest auf mich wirkt aggressive Werbung abschreckend und hält mich explizit davon ab, ein Produkt zu konsumieren!

Dritter Anklagepunkt: Die Comedy

Comedy soll lustig sein. Aber heutzutage ist sie nur noch nervig. Egal ob Nullinger, Showpraktikant, Tagebuch des täglichen Wahnsinns oder Cindy aus Marzahn: Nur noch nervende Sendungen will niemand hören und sehen. Der Zusammenhang "je schriller die Stimme, desto einprägsamer und damit besser" gilt auch nicht! Wenn ihr Menschen unterhalten wollt, dann bitte mit durchdachten Pointen und nicht mit einem Sprecher, der den immerselben Blödsinn mit sich möglichst stark überschlagender Stimme ins Mikrofon brüllen kann.

Vierter und finaler Anklagepunkt: Morning-Shows

Ich will nicht mit gackernden Quietschmoderatorinnen und aufgesetzt gut gelaunten Morningmen, deren Honigkuchengrinsen man förmlich hören kann, geweckt werden. Ich bin nicht sofort gut drauf, wenn ich gerade vom Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde und dann aus dem Radio ein Lachen in einer Tonhöhe kommt, dass einem Mark und Bein gefrieren. Niemand ist immer gut drauf und ihr solltet auch nicht versuchen es so darzustellen als ob. Das macht die Sendungen nur unglaubwürdig und damit nicht hörenswert. Habt Mut, auch mal einen Morgenmuffel ans Mikro zu setzen. Ich wette, der wird Sympathiewerte von einem anderen Stern haben!
Und abgesehen von der Qualität der Shows: ICH WILL WEDER ABENDS UM 19 UHR NOCH MITTEN IN DER NACHT DIE VERDAMMTEN FRÜHAUFDREHER QUÄKEN HÖREN! WAS IST DENN DAS FÜR EINE UNGLAUBLICHE UNSITTE IN LETZTER ZEIT! Wenn es schon eine Morgenshow sein soll, dann belasst es bitte auch dabei. Morgens ist das schon schwer genug zu ertragen.

Freitag, 4. Januar 2013

Logisch?

Heute wird es gefährlich. Das Wissen, an dem ich euch gleich teilhaben lasse, hat schon Menschen in psychiatrische Behandlung getrieben, obwohl es nur um logische Schlüsse geht. Es sollte also bitte nur weiter lesen, wer eine stabile Persönlichkeit hat.

Es geht um die einfache Frage "wie lässt sich Logik beschreiben?". Man erwartet von einem solchen System, das wir gleich definieren werden, dass es genau das leistet, was wir als "gesunden Menschenverstand" bezeichnen, also das sinnvolle Schließen. Dazu müssen wir uns zunächst einmal überlegen, was ein sinnvoller Schluss ist und was nicht. Diese Regeln werden wir dann als "Axiome" festhalten. Ein Axiom ist nichts weiter als eine "Wahrheit", die man einfach per Definition festlegt.

Ein logischer Schluss wäre etwa: Wenn Hunde braun sind, und Bello ein Hund ist, dann ist Bello braun. Etwas formaler: 
(Hund - > braun) und (Hund) dann (braun)
Verallgemeinert: Wenn A - > B und A, dann B
Das wäre schon unser erstes Axiom, die sogenannte Pfeilbeseitigung oder auch "modus ponens". Achtung: der Pfeil ist ein Symbol des formalen Systems, die geschriebenen Worte "und" und "dann" dagegen nicht, sie stehen außerhalb des Systems!
Eine zweite Regel: Wenn Bello braun ist, dann ist Bello auch braun, wenn es draußen regnet.
Also: (braun), dann auch (Regen - > braun)
Oder: B, dann A - > B
Das ist das Gegenstück, die Pfeileinführung. Diese beiden Regeln sind schon das Hauptrüstzeug, das wir benötigen. Desweiteren gibt es noch die Existenz- und Allregeln, die und-Regeln und die oder-Regeln, wie etwa die Fallunterscheidung: Wenn unter der Annahme A herleitbar ist, dass C gilt und man C auch unter der Annahme B gilt, und man außerdem weiß, dass A oder B gilt, dann muss C gelten.
Alle diese Regeln, die wir einführen, sind sehr einfach und logisch. Wenn wir uns streng nach ihnen richten, werden wir also aus einer wahren Tatsache nie etwas falsches schließen können. Achtung: die wahre Aussage, von der wir hier reden, ist außerhalb des Systems wahr. Wir definieren sie deshalb innerhalb des Systems als Axiom und können daraus dann innerhalb des Systems unter Anwendung der Schlussregeln neue Aussagen erzeugen. Von diesen können wir deshalb davon ausgehen, dass sie auch außerhalb des Systems wieder wahr sein werden.

Und nun kommt der kranke Teil. Man kann die Zahlentheorie innerhalb eines solchen formalen Systems beschreiben. Für die Nichtmathematiker: die Zahlentheorie ist mehr oder minder die "einfachste" mathematische Disziplin, sie beschäftigt sich ausschließlich mit Eigenschaften von Zahlen. Eines ihrer Axiome ist etwa, dass es zu jeder Zahl einen direkten Nachfolger gibt.

Gödel hat nun etwas schockierendes entdeckt. Er hat Aussagen der Zahlentheorie auf bestimmte Weise eine Nummerierung gegeben. Das bedeutet, jede Aussage ist nun mit einer Zahl zu identifizieren. Eine Aussage über Zahlen also die selbst eine Zahl ist. Sie kann sich also, wenn es blöd läuft, auf sich selbst beziehen.

Nun kann man folgende Aussage konstruieren: Diese Aussage ist in diesem System nicht herleitbar. Nehmen wir an, sie ist außerhalb des Systems wahr. Dann ist das System offensichtlich unvollständig, da man diesen wahren Satz nicht durch logische Schlussfolgerungen erreichen kann. Nimmt man allerdings an, dass dieser Satz außerhalb des Systems falsch ist, dann muss er herleitbar sein. Unser System, dass nur logische Schlüsse verwendet, liefert uns einen unwahren Satz!

Diese gnadenlose Wahrheit gilt, wie man beweisen kann, in jedem formalen System, dass mächtig genug ist, die Zahlentheorie zu beschreiben. Aber was können wir daraus schließen? Haha. Ironisch, oder nicht? Selbst wenn wir etwas daraus schließen könnten, woher wüssten wir, dass die Folgerung wahr wäre, egal wie logisch uns der Schluss vorkommt? Woher nehmen wir überhaupt das Selbstvertrauen, behaupten zu können, dass Aussagen wahr sind, wenn sie logisch nicht herleitbar sind? Denken Menschen unlogisch? Wie kann ein Mensch Wahrheit beurteilen? GIBT es Wahrheit? Vielleicht noch ein kleines Zitat zum Ende:

Die Wahrheit ist relativ. Suchen Sie sich eine aus.

Sonntag, 4. November 2012

That's Life

Lange her seit dem letzten Post. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ich habe ja auf den Marathon trainiert. Dummerweise musste ich wenige Wochen vor dem Wettkampf die Erfahrung machen, dass nicht alle Orthopädiegeschäfte das Geld wert sind, das sie für speziell angefertigte Einlagen verlangen. Fazit: Überlastungsverletzung an der Sehne nach dem 30-km-Vorbereitungslauf. Aber that's Life. Das Leben geht weiter und entsprechend stehe ich wieder -und dieses Mal besser ausgestattet- mitten im Training.

Heute war also den ganzen Tag schönes Wetter, eine vermeintlich stabile Föhnlage, die ich schön durchs Fenster beobachten konnte, während ich mich mit messbaren Abbildungen herumgeschlagen habe. Aber ich wollte heute trotz aufkeimendem Muskelkater vom gestrigen Ausgleichstraining laufen gehen. Also nach Sonnenuntergang Mathezeug beiseite legen, noch eine Runde Slender zur Einstimmung spielen und dann raus in den Wald. Und eine Entscheidung an dieser Stelle sollte mir später noch zum Verhängnis werden: ich bin ja inzwischen durchaus fortgeschritten beim Laufen, und da spürt man jeden Ballast, den man mitnimmt. Ich habe also die folgenschwere Entscheidung getroffen, mein Handy wegzurationalisieren und nur den Lightweight-mp3-Player mitzunehmen. Aber mehr dazu später.

Ich bin jetzt also raus, erst mal eine kurze Runde eingelaufen und dann in die Wälder. In diesem Moment dachte ich mir noch, dass Slender echt wenig beeindruckend ist und er es nichteinmal mit den Matschlöchern im Weg aufnehmen könnte, die mir deutlich mehr Respekt eingeflößt haben. So gings dann eine Weile dahin, bis der mir "bekannte" Weg zwischenzeitlich nur noch den Charakter eines Wildwechsels hatte und plötzlich ganz am Ende war. Aber ich dachte ja, ich kenne mich aus. Also etwa die Richtung angepeilt und quer durch den Wald. Irgendwann würde schon wieder ein Weg kommen. Der kam auch, endete aber wieder im Dickicht. An dieser Stelle wurde mir klar, dass da etwas ganz und gar nicht nach Plan läuft. Jeder Weg, den ich ausprobiert habe, selbst der quer über eine Lichtung in Richtung der Lichter einer Ortschaft, hat entweder an undurchdringlichen Böschungen geendet oder im Kreis geführt. An einer Stelle bin ich dreimal vorbei gekommen, jedes Mal aus unterschiedlichen Richtungen.

Und wie bereits erwähnt: das Handy mit der rettenden GPS-Funktion lag zuhause. So verfranst hatte ich mich seit meiner läuferischen Anfangszeit nicht mehr. Aber im Gegensatz zu damals hatte ich zwei Asse im Ärmel, von denen ich gar nicht weiß, welches bedeutender ist: zum Einen wusste ich: egal wie lang es dauert, zurück nach Hause zu finden, die Kondition wird reichen. Und zum Zweiten besitze ich inzwischen Sportunterhosen, die alles fest am Körper und entsprechend warm halten. Das mag jetzt vielleicht lustig klingen, aber es ist echt unangenehm, partiell zum Eiszapfen zu mutieren. Es bestand also zwar Grund zu erhöhter Beunruhigung, aber keiner zur Panik. So gings dann noch längere Zeit weiter, das Beste was meinem mp3-Player einfiel, waren Lieder mit Texten wie "I've never felt so alone in my life", "This is the day that I die" und "Valhall awaits me when I'm dead". Letzteres war immerhin etwas positiv. Das Universum hatte nun auch noch eine tolle Idee: wir hatten ja vorher schon über die Föhnlage tagsüber gesprochen - die ist leider zusammengebrochen. Es ist also eine Kaltfront mit Wucht und Regen über mich hereingebrochen.

Aber dann Hoffnung. Ich konnte aus der Entfernung einen Wegweiser für Wanderer reflektieren sehen. Bei näherer Betrachtung gab es nun eine gute und eine schlechte Nachricht. Eisenhofen war mit 3 km Entfernung angeschrieben - aber genau in der Richtung, aus der ich kam. Aber zurück auf den Weg, auf dem ich so lange herum geirrt war? Und an dieser Stelle muss man außerdem wissen, dass es für einen Trailläufer kaum eine größere Schmach gibt, als einen Weg, auf dem man gekommen ist, direkt wieder zurücklaufen zu müssen. Ich habe mich also für Hirtlbach entschieden, von wo aus ich den Weg auch finden würde. Aber schon auf halbem Weg war ich wieder zurück in bekannten Gefilden. Und nun die zweite fatale Entscheidung dieses Abends: so voller Adrenalin wollte ich eigentlich nicht direkt nach Hause laufen, weil ich direkt am Ende meiner bekannten Runde herausgekommen war. Also die Runde in umgekehrter Richtung nochmal. Nun muss man wissen, dass eine Laufrunde in umgekehrter Richtung komplett anders ausschaut. Und im Dunklen erst recht.

Die ersten drei kritischen Abzweigungen hatte ich noch richtig gemeistert, aber an der vierten muss ich mich wohl falsch entschieden haben. Weil plötzlich sah nichts mehr bekannt aus. Und irgendwie hatte es genau in dem Moment der Einsicht auch noch eine Brennessel geschafft, irgendwie am Socken vorbei unter meine Hose zu gelangen und ihr teuflisches Werk zu vollbringen. Da stand ich also wieder im Nirgendwo, psychisch gebrochen, nachdem ich einen vermeintlichen Erfolg im Orientierunglauf leichtfertig weggeworfen hatte und potenziell tödlich verwundet von dieser Pflanze der Nacht. Regen und Wind haben auf mich eingepeitscht, und ich habe mir die Frage gestellt, warum ich das eigentlich tue. Und ich konnte sie auch direkt beantworten: weil es mir Spaß macht.

Die Menschen hängen immer so an ihrem Leben. Aber was macht das Leben denn aus? Eindrücke. Und nur die wenigsten sind klar positiv. Viele sind von der Bedeutung neutral und viele auch negativ. That's Life. Wenn man sich lebendig fühlen will, muss man Eindrücke sammeln. Und das geht nirgends besser als in der Natur. Und außerdem war es ein echt tolles Gefühl, völlig ausgepowert die Lichter der Staatsstraße und den sicheren Heimweg zu erspähen.

Donnerstag, 30. August 2012

Fische fangen

Heute ein paar Worte über Onlinedating. Was passiert hier eigentlich? Ich denke, das Angeln ist eine gute Metapher, und ich werde gleich erläutern, warum. Sollte ich übrigens etwas das Angeln betreffend falsch wiedergeben, tut mir das leid, aber mein komplettes Fachwissen entstammt "Flussmonster" auf DMAX. Wo wir beim Thema wären.

Man beginnt damit, sich einen guten Platz zum Angeln zu suchen, was einer passenden Community entspricht. Je nachdem, was man sich für einen Platz sucht, fängt man natürlich entweder leckere Speisefische oder vielleicht doch nur einen alten Stiefel. Als nächstes wird der Köder ausgeworfen. Hier sollte man sich Mühe geben. Der Köder muss natürlich genau auf den Fisch angepasst werden, den man auch fangen will. Auch sollte man schon einmal die entsprechende Ausrüstung bereit halten. Mit einem Standardköder und ohne Stahlvorfach wird man kaum den Marker fangen können, von dem man träumt. Natürlich spricht nichts dagegen, mehrere Ruten gleichzeitig ins Wasser hängen zu lassen. Man muss sich nur jederzeit bewusst sein, dass es schwer ist, mehrere Fische simultan zu drillen. Womit wir beim nächsten Schritt wären. Es hat etwas angebissen. Jetzt heißt es, ruhig zu bleiben und das Ding zu drillen. Das heißt, ihm auf der einen Seite Leine geben, damit er nicht ausschlitzt, aber auch nicht so viel, dass sich die Leine irgendwo verheddern und reißen kann. Ein richtig kräftiger Fisch kann die Leine natürlich auch alleine zerreißen, wenn man ihn unterschätzt und die falsche Ausrüstung gewählt hat.

Ist die Beute dann endlich müde geworden, kann man es riskieren, ihn an die Oberfläche zu holen, also zu daten. Ist er aber noch nicht müde genug, kann auch das schnell schief gehen! Und ganz wichtig: egal, wie der Eindruck beim Drill war, dann, wenn man ihn aus dem Wasser hat, ERST DANN, kann man sehen, was man da eigentlich an der Leine hatte. Ob es ein Lachs war, oder doch nur ein stinkiger, alter Karpfen. Aber Vorsicht: Fische sind glitschig und können einem schnell mal aus der Hand rutschen, auch wenn man sie schon vermeintlich sicher an Land gebracht hat.

Alternative Fangmethoden wären übrigens etwa das Netzfischen (Kontaktanzeige), das Anmachen in der Disco (Speerfischen) oder das Ansprechen im Alltag (Forellenstreicheln).

Samstag, 18. August 2012

Geld

Was ist Geld? Man könnte jetzt Scheine und Münzen sagen, aber das beschreibt natürlich nicht die eigentliche Natur des Geldes. Es ist nichteinmal richtig, da Geld genauso als abstrakte Zahl auf dem Papier existiert. Vielleicht sollten wir uns aus einer anderen Richtung nähern. Also beginnen wir mit zwei kleineren Problemen:
1. Wie wird es erschaffen?

Geld wird erschaffen, indem die Zentralbank einen Kredit vergibt. Sie verleiht also ein nicht existierendes Gut an eine Bank, und durch dieses Verfahren wird das Gut erst erzeugt. Man sieht also hier schon, dass Geld nicht einfach nur Repräsentant für etwas sein kann, wie etwa in Form eines Schuldscheines, der ja im Gegensatz dazu das Recht zum Besitz eines echten Gutes repräsentiert.

2. Wofür verwenden wir es?

Verwenden tun wir Geld dann doch wieder so, als würde es einen echten Wert darstellen. Wir bekommen es für geleistete Arbeit und tauschen es dann wieder ein gegen Lebensmittel und Computer. Für etwas, das eigentlich gar nicht existiert, ist das ein enormes Vertrauen in die Idee, die dahinter steht.

Meine Gedanken über diese Problematik mögen vielleicht ersteinmal an den Haaren herbei gezogen wirken. Aber diese Unklarheit verfolgt uns, gerade in Zeiten der Finanzkrise, doch auf Schritt und Tritt. Wie oft hört man im Radio Sätze wie: "Heute wurde durch den Kurssturz ein Börsenwert von zehn Milliarden Euro vernichtet". Das ist so eigentlich auch nicht ganz richtig. Allerdings wäre es auch falsch zu sagen: "Das Geld ist ja nicht weg, es gehört nur jemand anderem". Das tut es nämlich nicht. Es ist wirklich weg. Aber genau genommen war es auch nie da. Wir haben uns nur eingeredet, dass es existiert. Plötzlich zerplatzt nun dieser Traum und alle verfallen in helle Panik, obwohl sich objektiv betrachtet nichts verändert hat. Das ist doch pervers.

Die große Mode ist es ja heutzutage, Geld damit zu verdienen, dass man Geld besitzt und an andere Menschen verleiht. Man rufe sich ins Gedächtnis: Geld wird dadurch erzeugt, dass man es von der Zentralbank geliehen bekommt. Finanzmarktjongleure verdienen also daran, geliehenes Geld weiter zu verleihen. Damit verdienen sie deshalb Geld, weil sie Risiken eingehen. Auf dem Papier. Denn wer ist denn heutzutage nicht mehr systemrelevant. Für die "echte" Wirtschaft, also die wertschöpfende, bedeutet dies doch aber, dass man nicht nur die Arbeitslosen und Rentner durchfüttern muss, sondern auch die, die in den Börsen sitzen und auf Tastaturen hämmern. Aber halt - wem gehört gleich noch einmal eine Firma? In den meisten Fällen den Haltern der Aktien. Und wer hält den Großteil? Investoren.

Und vor diesem Hintergrund betrachtet ist es doch mehr als widersprüchlich, dass Unternehmen sich darüber beklagen müssen, kein imaginäres Geld geliehen zu bekommen von den eigenen Eigentümern, die eigentlich ein Interesse daran haben sollten, dass die Firma von Kunden mehr von diesem imaginären Gut einnimmt, um selbst dadurch noch mehr davon zu besitzen und es weiter investieren zu können. WAS LÄUFT HIER EIGENLTICH FALSCH? Das Problem am Kapitalistmus ist - er ist alternativlos.

Dienstag, 14. August 2012

Psychoanalyse

Machen wir heute mal ein wenig Literatur- und Sozialwissenschaft. Kann ja nicht so schwer sein.
Es ist einer der gewöhnlichsten und verbreitetsten Aberglauben, dass jeder Mensch nur ihm eine zugehörige, bestimmte Eigenschaft habe, dass ein Mensch gut, böse, klug, dumm, energisch, apathisch und so weiter sei. Die Menschen pflegen nicht so zu sein. Wir können von einem Menschen sagen, dass er öfter gut als schlecht, öfter klug als dumm, öfter energisch als apathisch und umgekehrt sei, aber es ist nicht wahr, wenn wir von einem Menschen sagen, dass er gut oder klug und von einem anderen, dass er böse oder dumm sei. Wir aber teilen die Menschen immer so ein. Und das ist nicht richtig. Die Menschen sind wie Flüsse.: Das Wasser ist überall gleich, überall das selbe, aber jeder Fluss ist bald schmal, bald rasch, bald breit, bald still. bald rein, bald kalt, bald trüb, bald warm. Eben so auch die Menschen. Jeder Mensch trägt in sich die Keime aller menschlichen Eigenschaften und manchmal offenbart er die einen, manchmal die anderen und ist oft sich selber ganz und gar nicht ähnlich, während er doch immer dasselbe Selbst bleibt

Was will uns der Autor (Tolstoi) hier mit diesem so diffus und kryptisch anmutenden Text sagen? Übersetzen wir das Ganze doch einmal in eine klar strukturierte und leichter zu verstehende, mathematische Sprache. Ich spoiler direkt mal: es geht ihm hier um Logik. Genau genommen, den Unterschied zwischen Aussagen- und Prädikatenlogik und deren Anwendung auf die Sozialwissenschaft.

Als Axiome der Aussagenlogik kann man folgende Punkte ansehen:
Jede Aussage hat einen von genau zwei Wahrheitswerten, meist „falsch“ oder „wahr“

Der Wahrheitswert jeder zusammengesetzten Aussage ist eindeutig durch die Wahrheitswerte ihrer Teilaussagen bestimmt

Insbesondere wird hier also festgehalten, dass Aussagen immer entweder wahr oder falsch sind. Das wäre im übertragenen Sinne unser Bild des Mitmenschen, den wir wieder einmal ohne Beschränkung der Allgemeinheit Batman nennen werden. Zu jeder Aussage gehört eine Eigenschaft. "Batman ist klug" wäre also eine solche Aussage, die entweder wahr oder falsch ist. Vorsicht: in unserem Modell heißt das nicht, dass Batman wirklich in Gefahr gerät, den Nobelpreis zu gewinnen. Es bedeutet nur, dass der Betrachter ihn für ganz fit in der Birne hält. "Batman ist doof" wäre das Komplement zur vorherigen Aussage und hat dementsprechend den umgekehrten Wahrheitswert (unter der Voraussetzung, dass die Urbilder von "klug" und "doof" eine Partition der Menschheit darstellen). Aber jetzt kann Batman vielleicht an einem guten Tag jedes Sudoku schneller als Flash lösen, aber wenn er einen schlechten Tag erwischt, kommt er vielleicht überhaupt nicht auf die Lösung.

Das Modell ist also nicht ausreichend. Aber der Mathematiker hat vorgesorgt: es gibt schließlich noch die Prädikatenlogik. Hier sind Aussagen Funktionen, die von einer Belegung abhängen. Die Belegung ist eine Menge von Argumenten, die man in eine solche "Aussagenfunktion" einsetzten kann.

Sei diese Menge in unserem Fall {"guten";"schlechten"}. Die Aussage lässt sich dann formulieren zu

Klug(x) := An einem x Tag ist Batman klug

Und nun wissen wir ja schon, dass Klug(guten) wahr ist, wohingegen Klug(schlechten) falsch ist. Nun können wir die Realität also ausreichend abbilden.

Zurück zur Deutung und damit zur Sozialwissenschaft: das macht es unglaublich schwierig, Menschen einzuschätzen. Je größer die Menge der möglichen Belegungen ist, desto mehr Beobachtungen sind nötig, um die Wahrheitswerte herauszufinden. Erschwerend kommt hinzu, dass wir die Mächtigkeit dieser Menge nicht zwangsläufig kennen, da immer wieder unvorhergesehene Dinge passieren, die Menschen anders reagieren lassen, als es irgendjemand, geschweige denn sie selbst, jemals vorhergesehen hätten. Und Menschen verändern sich. Das ist schlecht. Man müsste also auf einer weiteren Abstaktionsstufe arbeiten. Die Aussagefunktionen als solche hängen von einer weiteren Variablen, etwa der Zeit ab. Ich weiß nicht, ob es schon eine Theorie dazu gibt, aber selbst wenn, bräuchte man spätestens dann eine exponentiell wachsende Anzahl von Beobachtungen, um Menschen zu analysieren.

Damit sind wir nun wieder bei meiner Lieblingsdisziplin angekommen: der Stochastik. Was wir nicht beobachten können, muss als zufällig angesehen werden. Eigentlich sind Menschen damit wandelnde Zufallsvariablen. Das wiederum erklärt sehr gut, warum auf unserem Planeten Dinge passieren, die eigentlich nicht passieren sollten. Wahnsinn, was sich Tolstoi beim Verfassen des Textes für Gedanken gemacht hat.

Montag, 6. August 2012

WANTED!

Mein letzter Post ist noch nicht lange her, aber ich muss gerade ein paar Gedanken loswerden. Zu meinem vorletzten Post hab ich Feedback bekommen, dass mein Modell bezüglich der Partnerfindung zu kurz greife. Ich werde das ganze heute etwas vertiefen und ein anschauliches Bespiel einbringen.

Was ist nötig, um eine Beziehung zu erzeugen? Klar, o.B.d.A. zwei Menschen mit kompatibler sexueller Ausrichtung. Aber was noch? Gefühle? Ja, aber die werde ich jetzt vorerst als Rauschen betrachten, die meine eigene Messung überlagern. Nun erstmal zu den Parametern.

Ich habe hier drei Kategorien von Beobachtungsmerkmalen ausgemacht:

(1) Praktische Machbarkeit einer Beziehung: das sind Dinge, die notwendig für das Führen einer Beziehung sind, dazu zählen etwa der Wohnort und Zukunftspläne

(2) Alltagsvereinfachende Eigenschaften: etwa ähnliche Interessen und Vorlieben. Es ist schwierig, eine erfolgreiche Beziehung zu führen, wenn man sich ständig über Sauberkeit und den Essensplan streitet

(3) Interesseweckende Eigenschaften: das ist eine Liste von Dingen, die eigentlich am unwichtigsten sind, aber wohl die Partnerwahl am stärksten beeinflussen. Dazu zählt klar das Aussehen und gewisse Persönlichkeitsmerkmale, weswegen man sich für den potentiellen Partner faszinieren kann.

Wie gesagt wird das Ganze jetzt leider von Gefühlen überlagert. Diese führen zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität, die viele aber zur Bedingung für eine Beziehung machen, was aber auch wieder erklärbar ist. Zunächst muss man ja unterscheiden zwischen der Verliebtheit und der Liebe. Verliebtheit wird denke ich hauptsächlich durch Dinge aus Kategorie (3) erzeugt. Ich habe von einer Studie gelesen, dass sie aber gar nicht unbedingt direkt mit der körperlichen Attraktivität der Zielperosn zusammenhängt, es muss vielmehr nur ein gewisses Mindestmaß an körperlicher Anziehung auf einen selbst ausgehen. Es muss einem aber klar sein, dass Verliebtheit kaum länger als höchstens sechs Monate anhalten kann. Sie dient meiner Interpretation nach dazu, es angenehmer zu gestalten, sich an den Partner zu gewöhnen, bis sich eine solche Vertrautheit entwickelt haben kann, dass Liebe entsteht. Ich glaube nicht, dass sie eine notwendige Bedingung dafür ist, solange man nur lang genug durchhält (und es in der Beziehung natürlich auch entsprechend läuft).

Worauf also sollte man besonders Acht geben? Man sollte sich von dem Traumpartner und der perfekten Beziehung verabschieden. Selbst wenn der Traumpartner existieren sollte, lebt er fast sicher in irgendeinem Bergdorf in China oder lebt irgendwo in Leipzig, wo du nie wieder hinfahren wirst, weil dir bei deinem einzigen einstündigen Aufenthalt dort das Auto aufgebrochen und der Laptop gestohlen wurde, aber das ist ein anderes Thema. Also muss man Prioritäten setzen und Entscheidungstheorie mit einbringen. Kategorie (1) ist obligatorisch, aber aus (2) und (3) kann man sich beliebige Kombinationen erstellen. Einfacher wird es mit vielen Übereinstimmungen aus (2), interessanter mit solchen aus (3). Das muss sich jeder selbst überlegen. Angenommen, der Partner hat einen echt hohen "Score" und möchte eine Beziehung eingehen, man selbst ist aber nicht verliebt. Was tust du? Das ist schwierig. Aber auch wenn es unkonventionell ist - ich würde sagen, versuch es. Lüg sie natürlich nicht an, dass du bis über beide Ohren verliebt bist, aber Gefühle, die über die personifizierte Geilheit ("Verliebtsein") hinausgehen, entwickeln sich immer erst später.

Jetzt wie angekündigt zu einem alten Post. Ich habe einmal online einen Persönlichkeitstest gemacht, von dem ich sehr positiv überrascht war. Sehr wenige Fragen, aber dennoch erstaunlich präzise Charakterisierung. Wer den Post sucht, er hieß "Ein Offenbarungseid". Ein kurzer Auszug aus meinem Ergebnis:
Der analytische Denker ist ein zurückhaltender und ruhiger Mensch. Er liebt es, den Dingen auf den Grund zu gehen – Neugierde ist eine seiner stärksten Triebfedern. Er möchte wissen, was die Welt im Innersten zusammen hält. Viel mehr benötigt der analytische Denker zu seinem Glück auch nicht, denn er ist ein bescheidener Mensch. Viele Mathematiker, Philosophen und Wissenschaftler finden sich unter diesem Typus. Widersprüchlichkeiten oder Unlogik sind ihm ein Gräuel; Muster, Prinzipien und Strukturen erfasst er mit seinem scharfen Verstand schnell und umfassend.

Später jedenfalls geht es auch noch um zwischenmenschliche Beziehungen und die Partnerwahl:
Auf andere wirkt er daher manchmal arrogant oder snobistisch - auch deshalb, weil er mit seiner oft harschen (wenn auch berechtigten) Kritik und seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein nicht hinter dem Berg hält. Inkompetente Zeitgenossen haben es bei ihm nicht leicht. Wer aber seinen Respekt und sein Interesse gewinnt, der findet in ihm einen geistreichen und sehr intelligenten Gesprächspartner, der einen durch seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und seinen knochentrockenen Humor verblüfft. (...) Ohnehin braucht er nur wenige Menschen um sich, deren wichtigste Eigenschaft es ist, ihm intellektuell ebenbürtig und somit für ihn inspirierend zu sein. (...) Der analytische Denker ist, wenn er sich erst einmal für einen Menschen entschieden hat, ein treuer und zuverlässiger Partner.

Das hat schon einen wahren Kern. Mir ist es wichtig, tiefergehende Diskussionen auch einfach mal zum Spaß zu führen, und brauche dazu jemanden, der mir folgen kann und das vor allem auch will. Mir wurde in letzter Zeit mehrmals von Mädels gesagt, dass sie sich intellektuell für nicht ebenbürtig halten und dass sie das abschreckt. Das schmeichelt zwar einerseits, andererseits ist es echt schade. Weit oben ist die Luft dünn. Und man muss sich dessen bewusst sein, dass die höchsten Berge meist unter Zuhilfenahme von Sauerstoffflaschen und der tatkräftigen Unterstützung von Einheimischen bestiegen werden. Das ist auch nicht jedermanns Sache. Zurück zum Thema - das macht es erst recht schwierig, an den "Hotspots" Frauen anzusprechen und vor allem dann im Gespräch den Score zu checken. "Hey, kennst du Schrödingers Katze?" wird wohl eher selten funktionieren. Selbst wenn sie das tun, wollen sich in der Disko leider nur die wenigsten drüber unterhalten. Mal wieder viele Fragen und kaum Antworten. Und sobald ich welche finde, die in mein Raster passen würden, sind sie vergeben. Fatal error in section (1) sozusagen.

Ich starte einfach hier einmal einen Aufruf: WANTED, DEAD AND ALIVE! Nein, Spaß. Lebendig wäre schon ganz nett. Nach wem ich suche sollte jetzt hoffentlich klar sein. Wems nicht klar ist, egal. Nicht nach dir. Auslieferung und Hinweise werden belohnt!

Sonntag, 5. August 2012

Ich hab's dir ja gesagt

Manche Fehler muss man einfach machen. Man kann noch so oft einen gut gemeinten Rat hören, ohne ihn in die Tat umzusetzen. Woran liegt das? Nicht unbedingt daran, dass man nicht daran glaubt, dass der Tippgeber unrecht hat, was einem ja danach oft unterstellt wird ("ich hab's dir ja gesagt!").

Gehen wir ein aktuelles Beispiel an: Ein ambitionierter Läufer, nennen wir ihn der Anonymität halber Batman, will auf den Marathon trainieren. Als er diesen Entschluss fasst, ist Batman noch nie weiter als 15 km am Stück gelaufen. Um eine Ahnung davon zu kriegen, was ihn erwartet, googlet er natürlich über die Marathonvorbereitung und liest Zeitschriften. Immer wiederkehrend heißt es dabei, "wer viel läuft kriegt Blasen", "vor langen Läufen die Füße tapen", und so weiter. Batman tut es natürlich trotzdem nicht und hat nach seinem ersten Lauf jenseits der Halbmarathondistanz die Blase des Todes. Was hat sich Batman also gedacht? Da muss man gar nicht so tief in die Materie hineingehen - es war wohl einfach etwas wie: "Blasen?! Ich bin BATMAN! Batman kriegt keine Blasen, Blasen kriegen Batman!".

Ich denke, dass das Hauptproblem hier oft in der Selbstüberschätzung, wie in diesem Beispiel liegt, oder daran, dass man davon ausgeht, dass der Tipp auf die eigene Situation nicht anwendbar ist, da die Rahmenbedingungen andere sind. Auch wenn einem hinterher wieder schmerzlich bewusst wird, wie ähnlich die Bedingungen doch gewesen sein müssen. Jedenfalls liegt es allen gegenteiligen Vermutungen zum Trotz nicht daran, dass man denjenigen, der es doch so gut mit einem gemeint hat, für überfürsorglich, unfähig oder gar böswillig hält. Manche Fehler muss man einfach machen. Und hinterher ist der Spott zwar gerechtfertigt, aber dennoch unnötig. Learning by doing ist sowieso die effektivste Lernmethode. Denn die meisten Fehler macht man nur einmal. Batman wird sich jetzt immer die Füße tapen.

Sonntag, 22. Juli 2012

Das Spiel

Es gibt Momente im Leben, da kann man nicht gewinnen. Egal wie gut man ist, egal wie sehr man sich anstrengt. Was kann man tun? Das sinnvollste ist es, diese Situationen zu vermeiden. Klingt logisch? Klingt logisch. Jetzt wird es aber kompliziert: angenommen, man kann eine solche Situation nicht erkennen, bevor man schon verloren hat. Und möglicherweise nicht einmal dann. Und außerdem befinden wir uns in einem zweistufigen Modell. Also nocheinmal zusammenfassend: man muss sich entscheiden, ob man spielt oder nicht, bevor man überhaupt wissen kann, ob es im Spiel überhaupt einen Gewinn oder nur Nieten gibt. Würde jemand ein Los kaufen, wenn die Budenbetreiber vorher nicht einmal sagen, ob sie Preise besorgt haben? Vermutlich nicht. Aber was, wenn die einzige Möglichkeit, an etwas, das man unbedingt haben will, eine solche Losbude ist? Um es für die iDioten zu übersetzen: man will unbedingt ein iPad, und die einzige Möglichkeit, es zu bekommen, ist eine Lotterie in der es vielleicht eins zu gewinnen gibt. Vielleicht aber auch nicht. Quasi Schrödingers iPad.

Nachdem das Modell klar ist, nun zur Deutung. $Typ will ein Mädel ansprechen. Dabei ist das naive Modell das, in dem er es entweder drauf hat, und ihre Nummer absahnt, oder er verkackts und verliert das Spiel und damit möglicherweise seine Selbstachtung und, wenn er es richtig versaut, auch seine körperliche Unversehrtheit. Nun spielt aber eine weitere Unbekannte mit hinein: der Beziehungsstatus von $Mädel. Wenn der auf "vergeben" zeigt, hat $Typ verloren. Egal wie gut er das Spiel spielt. Und diese Situation ist grausam, weil man die Kontrolle verliert. Erschwerend kommt hinzu, dass man seiner Intuition nicht vertrauen darf. Die sagt ja, hässliche Mädels sind single, hübsche sind vergeben. Wenn man diese Prämisse annimmt, sind Hopfen und Malz endgültig verloren. Dann spielt man möglicherweise ein ungewinnbares Spiel bei dem man hofft, etwas zu gewinnen, was man eigentlich nicht möchte.

Der springende Punkt ist wohl, dass man das ganze ja nicht durchdenken darf. Sobald man diese zwei Stufen auseinander nimmt, wird das ganze katastophale Ausmaß der Situation klar, in der man sich befindet. Und niemand wäre so wahnsinnig, dann noch einen Schritt zur Tür hinaus zu machen. Das ist vergleichbar damit, dass man berechnen will, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Katze nach dem Öffnen der Truhe noch lebt, und dazu erstmal reinspäht. Klappe auf, Katze tot. Das heißt aber auch in letzter Konsequenz, dass man Niederlagen, die unvermeidbar waren, der eigenen Strategie anlasten muss, da man für eine andere Aussage keine Informationen mehr hat. Wir haben dazu eine zu grobe Filtration verwendet. Das wiederum führt zu einem Knacks im Selbstbewusstsein, weil man sich die Schuld geben muss. Und alles nur, weil sich $Mädel nicht einfach ein T-Shirt mit der Aufschift "Single: {ja,nein}" anziehen kann. Dass Frauen alles immer so kompliziert machen müssen.

Freitag, 13. Juli 2012

Understatement

Untertreibung (engl. Understatement) (der Gegensatz ist Übertreibung) wird oft als Stilmittel eingesetzt. Oft dient eine Litotes der Untertreibung. Auch wird der Begriff Understatement häufig in der Konzeption von Werbung und Marketing benutzt. Unternehmen, die in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf Understatement setzen, verzichten auf vordergründige Effekte oder im Trend liegende Stilelemente. In der persönlichen Lebensführung Understatement einzusetzen bedeutet zum Beispiel, nach außen hin auf bestimmte Statussymbole zu verzichten, die nach Ansicht weiter Bevölkerungskreise aber zu erwarten gewesen wäre.

Understatement wird also oft als Marketingstrategie eingesetzt. Ich mag Understatement und verhalte mich auch oft entsprechend, unabhängig vom Lebensbereich. Aber manchmal macht das die Dinge nicht unbedingt einfacher. Etwa im Bewerbungsgespräch ist das eine schwierige Sache. Wenn man Understatement einsetzt, muss man die Zeit haben, mit Fakten zu punkten. Und die hat man oft nicht. Also ist man gezwungen, innerhalb kürzester Zeit Argumente zu finden, dass man der beste Mann für die Stelle ist, ohne den Boden der Tatsachen zu verlassen. Das kann schwierig sein. Auch wenn man genau weiß, dass man den Job extrem gut machen wird. Der Personalchef weiß es nicht. 
Ein ähnliches (wenn nicht sogar das selbe) Problem ist das Datinggeschäft. Wie oft wurde schon gesagt, dass es auf den ersten Eindruck ankommt. Dann überzeug mal auf den ersten Eindruck ohne zu übertreiben. Hier kommt noch ein zweites Problem erschwerend hinzu - man verhält sich gegenüber Fremden prinzipiell anders als gegenüber vertrauten Personen. Wenn man sich jetzt also ganz natürlich für diese Situation verhält, ist es wieder ein anderes natürliches Verhalten als das, das man als potenter.. äh.. potentieller Freund an den Tag legen würde. Das kann man nur umgehen, indem man sich verstellt. Das ist schade, aber als Mathematiker kann ich nur sagen: Ich bewundere das Problem, habe aber keine Lösung. Der geneigte Leser mag jetzt einwerfen: "Und was ist mit dem Freundeskreis?". Ein Wort: "Friendzoned".

Sonntag, 1. Juli 2012

You Can't Live Without The Fire

Ich wurde vor kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass ich mal geblogged habe. Das habe ich in der Tat. Und da ich auf die Frage, warum ich das nicht mehr tue, keine ausreichende Antwort finden konnte, muss ich jetzt mehr oder weniger gezwungenermaßen wieder damit anfangen. Ergo: Daddy is back.

Nun, was liegt an. Studium, Arbeit... der übliche langweilige Bullshit. Ach - ich bin sportlich geworden. Dass ich laufe, hab ich ja, wenn ich mich recht entsinne, schon einmal in einem früheren Post erwähnt. Jetzt mache ich das Ganze ernsthafter. Ich habe inzwischen meinen zweiten 10-km-Lauf gelaufen (50:31 min.) und bereite mich gerade auf den München-Marathon vor. Warum? Schwere Frage. Zum einen habe ich durch kürzliche Umbrüche in meinem Privatleben viel Zeit dafür. Aber das ist und kann nicht der einzige Grund sein, einen Marathon zu laufen. Über kürzere Wettkämpfe könnte man sagen, es gibt zwei Möglichkeiten: man leidet in der Vorbereitung oder man leidet im Wettkampf. Im Marathon ist das so ähnlich. Entweder man leidet in der Vorbereitung und leidet im Wettkampf, oder man leidet nicht in der Vorbereitung, dafür im Wettkampf umso mehr und kommt trotzdem nicht an. Das war also keine Kurzschlussentscheidung, sondern ich habe mir das durchaus über mehrere Wochen überlegt. Und seitdem denke ich darüber nach, warum ich mir diese "Selbstgeißelung" (Zitat Myri) antun will. 

Vermutlich ist der Grund, dass ich im Leben Ziele brauche. Richtige Ziele. Keine Ziele wie "eine 2 in W-Theorie", sowas ist ein Scheißziel. Da freut man sich einen Moment drüber und paar Tage später verschwendet man keinen Gedanken mehr daran. Ziele, auf deren Erreichen man sein Leben lang stolz sein kann. Und so ein Ziel ist der Marathon. Ich befinde mich momentan in der Form meines Lebens und habe die Zeit fürs Training - wenn nicht jetzt, wann dann?

Heute bei meinem wöchentlichen "langen Lauf" habe ich wie immer Musik gehört, und der Liedtext von einem Lied, das ich kurz vor der Ziellinie gehört habe, hat sehr gut dazu gepasst:
You can't live without the fire
It's the heat that makes you strong
Das ist wohl der Punkt. Man braucht etwas, das einen antreibt.

Noch etwas, das mich sehr überrascht und gleichzeitig desillusioniert hat: den legendären Marathonlauf hat es wohl nie gegeben. Alles ist wirklich nicht mehr als eine Legende. Wenn auch eine sehr alte. Aber weder hat der antike Läufer die Distanz an einem Tag zurückgelegt, sondern an zwei, noch hat er die Botschaft vom Sieg im Krieg überbracht. Und eine Abkürzung hat er vermutlich auch noch genommen. Und die 42,195 km stammen insofern nicht von der Entfernung Marathon - Athen, sondern sie stammen von einem Lauf in England, der eigentlich 40 km dauern sollte, die Veranstalter beim Vermessen allerdings festgestellt haben, dass die 40 km nicht vom Start bis zum vorgesehenen Ziel reichen. 

Trotzdem ist der Marathon so ziemlich das letzte verbliebene Abenteuer auf diesem Planeten, das man nur mit seinem Körper und viel Willenskraft angehen kann. Der Lauf ist am 14.10.12 - ich kann jede Unterstützung gebrauchen! Abschließend noch ein anderes Zitat aus dem selben Lied:
Oh damn, the war is coming
Oh damn, you feel you want it
Oh damn, just bring it on today!

Sonntag, 8. August 2010

zurück im leben

ja, mich gibt es noch. auch wenn ich schon lange nicht mehr geblogged habe. dies liegt wohl vor allem an der halbjährlich wieder kommenden entbehrungsreichen zeit der prüfungen. aber die ist jetzt erstmal wieder überstanden und kann mich wieder anderen dingen widmen.

ich beginne mal mit einer kleinen geschichte. vor etwa zwei jahren habe ich begonnen, hobbymäßig zu laufen (beziehungsweise joggen, mir gefällt nur das wort "laufen" besser). damals habe ich mir dafür die passende ausrüstung zugelegt (sprich, sportschuhe für etwa 20 euro). das ging lange zeit gut. nun habe ich aber auch dieses jahr irgendwann die laufsaison eröffnet und den verhängnisvollen "fehler" gemacht, auf meinem handy im ovi-store (nein, NICHT im omnipräsenten app-store!) ein programm zu finden, den sports tracker von nokia. dieses ding nutzt die gps-schnittstelle des handys, um so als vollwertiger sportcomputer daherzukommen, der nicht nur wegstrecke, geschwindigkeit, höhe und schrittanzahl speichert, nein, sogar an welchem ort man welche musik gehört hat. nun ja. dann muss man dieses programm ja auch mal testen.
jetzt hat mir dieses verdammte "kostenlose" programm beim testen so einen spaß gemacht, dass ich beschlossen habe, in zukunft öfter zu laufen. dies hat dann aber dazu geführt, dass ich mir bessere schuhe zulegen musste, da ich keine lust habe, mir meine gelenke zu zerschreddern. so wurde aus umsonst gleich mal eine rechnung über 125 euro. aber immerhin habe ich nun ein gesundes hobby.

lustigerweise war heute ein artikel in der zeitung. also das ist noch nicht der witz, ist ja recht normal, dass artikel in zeitungen sind. was ich sagen will, ist, dass in diesem artikel tipps gegeben wurden, wie frauen ihre männer zum abnehmen bringen. (eigentlich schon etwas diskriminierend, oder nicht?) jedenfalls wurde beispielsweise geraten, den männern sportcomputer zu kaufen, da sie so technikbegeistert wären, dass sie dann plötzlich freiwillig sport machen. aufgrund dessen fühle ich mich aktuell etwas manipuliert. ich weiß nur nicht, von wem. und was er damit bezweckt. mysteriöse sache.

nächsten donnerstag soll übrigens die webschnittstelle des programms online gehen. dann kann ich endlich auch meine facebook-freunde mit meinen daten nerven. hach wird das schön.

Samstag, 19. Juni 2010

treibgut

motivation.
wir sind in deutschland. hier gibt es regeln. wahrlich nicht alle regeln machen sinn. der großteil tut es dennoch. etwa die straßenverkehrsordnung. das rechtsfahrgebot zum beispiel. der langsamste fährt rechts, der nächstschnellere in der mitte und noch schnellere autos können auf der linken spur vorbei. leider gibt es nicht überall regeln, wo diese sinnvoll wären. etwa im schwimmbad.

definition.
sei K ein körper. dieser körper habe folgende eigenschaften:
1. alter(K)>60
2. geschwindigkeit(K)0
3. duftintensität(K)>35 olf

lemma.
sei K wie in der definition und sei S ein schwimmbad. dann gilt:
ort(K) element von s => K verstopft die von ihm benutzte bahn.

beweis.
folgt aus (2) und (3), da sowohl der genaue ort von K durch K direkt und die umgebung von K durch den gestank blockiert sind.

satz.
sei U zusammenhängende teilmenge von S und seien K1,...,Kn (n kleiner unendlich) körper wie vorhin definiert. dann gilt: alle Ki ordnen sich in U an.

beweis.
durch induktion:
n=1: K1 ordne sich o.b.d.a. auf bahn n (n kleiner unendlich) an.
n->n+1: da die bahn n belegt ist, sich Kn+1 jedoch nicht weit fortbewegen kann (wegen 2) ordnet sich Kn+1 auf der bahn n+1 ein.
da alle bahnen elemente von S und alle bahnen zusammenhängend, folgt, dass sich alle Ki in einer zusammenhängenden teilmenge U anordnen.

korollar.
schon bei einer kleinen anzahl von Ki kann S komplett verstopft werden.

beweis.
klar mit satz und U teilmenge von S.

fazit.
weil die ganzen stinkenden vogelscheuchen im schwimmbad nicht hintereinander schwimmen können, haben alle anderen die arschkarte gezogen. sehr sozial.


noch ein kleiner LINK zum thema

Dienstag, 25. Mai 2010

hans-joachim an bord

es gibt so momente, da frage ich mich: "warum?". ich habe das gefühl, dass diese momente in der jüngeren vergangenheit immer mehr werden.

immer wieder drängt sich mir diese frage bei dem folgenden thema auf: wer zum teufel hat diese verdammten "baby on board"-aufkleber auf den autos zu verantworten? und was ist der sinn?

eine scheinbar nahe liegende erklärung wäre folgende: die nachfolgenden autofahrer sehen "oh, ein baby, da muss ich aufpassen", und fahren vorsichtig, was sich positiv auf die sicherheit des vorausfahrenden auswirken soll.

hier stellt sich die frage: funktioniert das? für eine unanfechtbare aufarbeitung der frage wären freilich statistiken notwendig. viele statistiken. da ich diese nicht habe, werde ich deduktiv argumentieren:

zum einen hätte dieser effekt, existenz vorausgesetzt, einzig und allein auswirkung auf auffahrunfälle, bei denen der hinterherfahrende schuld ist (und überholunfälle, dazu später noch mehr). diese machen allerdings nur einen kleinen teil der unfälle gesamt aus. man kann also, wenn überhaupt, die unfallgefahr nur sehr begrenzt verringern. außerdem wage ich die behauptung, dass diese unfälle keineswegs die mit den schlimmsten verletzungen sind. alles in allem betrachtet sollte der effekt also äußerst klein ausfallen. nun noch zum eben ausgeklammerten thema der missglückten überholmanöver: auch hier hätte der aufkleber nur dann eine funktion, wenn er überholversuche verhindern würde. tut er das? die antwort auf diese frage sei dem interessierten leser als übung überlassen. außerdem muss man noch die frage berücksichtigen: falls der hinterherfahrende, offensichtlich schnellere, NICHT überholt - wie wirkt sich das wiederum auf auffahrunfälle auf?

das argument der verkehrssicherheit sehe ich deshalb im weiteren als entkräftigt an. bleiben noch weitere gedanken dazu:

zum einen natürlich der irrglaube an die vermeintliche zusatzsicherheit. dieser könnte menschen dazu veranlassen, einen solchen aufkleber anzubringen. so wie die tatsache, dass die menschen reihenweise in die kirchen rennen, ohne dass jemals ein direkt daraus resultierender positiver effekt beobachtet worden wäre. in diesem fall wäre das mysterium durch einbildung/aberglauben/menschliche dummheit erklärt. doch so einfach wollen wir es uns nicht machen.

es gibt nämlich weitere fakten, die uns auf dem weg weiter bringen könnten: die aufkleber "hans-joachim an bord" etc. was wollen uns die eltern sagen? "schaut mal, wir sind eltern"? "schaut mal, was für einen tollen namen wir unserem kind gegeben haben"? es ist ja hier auch noch zu beobachten, dass für jedes kind ein neuer aufkleber dazu kommt. und spätestens mit "hans-joachim", "alessa", "kevin", "mona-maria" und "franz-waldemar" ist auch mit der verkehrssicherheit nichts mehr, da man aus der heckscheibe nicht mehr nach draußen sehen kann.

und spätestens wenn man die namen der kinder auf dem auto des vor-einem-fahrers liest, denkt man sich doch nur noch: "für die kinder wäre es doch das beste, wenn sie gleich den gnadenschuss bekämen". das mag wohl schon einige moralische autofahrer dazu motiviert zu haben, mit riskanten manövern die armen kinder in ein besseres leben zu befördern.

dass es so weit kommt, will freilich niemand. also, liebe autofahrende eltern: lasst es doch einfach. ist für alle das beste.